Hegeschau 2019

Zurück zu Aktuelles


Die Rupertiwinkler Bläser begleiteten die Besucher mit wunderbarer jagdlicher Musik.
   


Landrat Siegfried Walch

Jagdberater Martin Obermeier

Amtstierarzt Dr. Jürgen Schmid


Landrat für „waid- und tierschutzgerechten
Umgang mit unserem Wild“

Siegfried Walch lobt Jäger bei Hegeschau in Waging für
„gelebten Umweltschutz in der Region“
Waging am See. In der seit Jahren hitzig geführten Diskussion um Wald und Wild hat
Landrat Siegfried Walch den Jägern den Rücken gestärkt. Bei der Hegeschau im
Strandkurhaus Waging würdigte er das große Engagement der Jäger. Sie „praktizieren
gelebten Umweltschutz in der Region“ – und das schon lange, „bevor andere mit diesem
Begriff etwas anfangen konnten“. Die heimischen Jäger, so der Landrat, „stehen für einen
waid- und tierschutzgerechten Umgang mit unserem Wild.“ Jäger würden die Natur und ihre
Veränderungen besser wahrnehmen als viele andere Menschen.
Dass die Jäger ihre „Hausaufgaben gemacht“ und die vorgegebenen Abschusszahlen
weitgehend erfüllt haben, ging aus den Berichten der Behördenvertreter hervor. Den Preis,
den man dafür bezahlt hat, konnten alle Besucher an den Stellwänden im Saal sehen, an denen
die Jagdtrophäen des letzten Jahres ausgestellt waren. „Es ist eine Schande, was alles
geschossen werden musste, um die amtlich vorgegebenen Abschusszahlen zu erfüllen“ – mit
diesen Worten fasste ein Jäger seine Verärgerung darüber zusammen, dass nur noch ein
verschwindend geringer Bruchteil des Rehböcke zum Beispiel ein Alter erreichen darf, in dem
ihr Gehörn voll ausgebildet ist. Bei Gams und Hirsch sei das nicht anders.
Jäger haben ihre Hausaufgaben gemacht
Wagings Bürgermeister Matthias Baderhuber merkte kritisch an, die ewige Diskussion um
Wald vor Wild sei nicht zielführend – eines bedinge das andere. Die Jäger jedenfalls würden
einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Das bestätigten auch die Zahlen,
welche Forstdirektor Hans Heinrich Lechler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten vorlegte. Das forstliche Gutachten 2018 habe das erfreuliche Ergebnis gebracht, dass
in keinem einzigen Revier im Landkreis Traunstein mehr die Belastung durch Wildverbiss
„deutlich zu hoch“ sei.
Nur noch in drei Revieren werde sie als zu hoch eingestuft, in zehn sei sie tragbar. „Es gibt
Gutes zu berichten“, freute sich Lechler. Das gelte auch für den Umbau des Waldes. Seit 1991
sei der Anteil der Tanne in den Wäldern im Landkreis von 3,4 auf 15,3 Prozent gestiegen; der
Verbiss der Leittriebe an den Tannen habe sich seither von 30 auf 15 Prozent verringert. Trotz
dieser erfreulichen Zahlen wünschte sich der Forstdirektor, dass die Jäger in ihrem
Engagement nicht nachlassen.
Der Leiter des Veterinäramtes Traunstein, Dr. Jürgen Schmid, gab einen kurzen Bericht über
die von seiner Behörde zu beobachtenden Tierseuchen und -krankheiten. Gegenüber dem
Vorjahr haben sich demnach keine gravierenden Veränderungen ergeben. Ausführlich
informierte der neue Jagdberater für Hochwild, Martin Stief, über seinen Aufgabenbereich.
„Die Altersstruktur der Trophäenträger lässt zu wünschen übrig“, merkte er kritisch an. Es
habe im Vergleich zum vorigen Jagdjahr wesentlich weniger Medaillen gegeben; 35 Böcke
weniger als im vergangenen Jahr seien prämiert worden.
460 Tonnen Wildfutter im Staatsforst
Der extreme Winter sei auch eine Herausforderung für die Jäger gewesen. Sie seien laut
Gesetz verpflichtet, das Wild in Notzeiten zu füttern. Das sei meist ab Februar der Fall, denn
die Tiere ihre Fettreserven weitgehend aufgebraucht haben. Im Gebirge werden die Tiere an
die Fütterungen gelockt, bevor ihnen der Schnee den Weg dorthin unmöglich macht. So seien
allein im Forstbetrieb Ruhpolding weit mehr als 400 Stück Rotwild an den Fütterungen
gezählt worden. Fast 460 Tonnen Wildfutter wurden benötigt. Der hohe Schnee hat vor allem
den Gemsen zugesetzt. Viele Jungtiere seien nicht durchgekommen. „Das ist die natürliche
Auslese“, sagte Stief. Ähnlich sei es beim Rehwild; Steinadler und Fuchs haben viele Kitze
gerissen. Das sei natürlich.
Was viel größere Sorgen bereite, sei die Beunruhigung im Wald durch Hundehalter, die ihre
Tiere frei laufen lassen durch Schneeschuhgeher, Fackelwanderungen und andere touristische
Aktionen. Das Wild komme nicht mehr zur Ruhe. Der Vorsitzende des Jäger-Kreisgruppe,
Josef Haiker fügte an, man dürfe nicht alles dem Tourismus opfern. Dieser Appell war auch
an Landrat Siegfried Walch gerichtet, der dazu deutlich nickte. Weitere Themen waren die
Jagd bei Nacht, die Zunahme der Wilderei und die zeitweise Aufhebung der Schonzeit. Stief
sagte dazu, nur vier Prozent des Abschusses im Forstbetrieb Ruhpolding seien während der
Aufhebung der Schonzeit erfolgt.
Weiteres Thema waren Leserbriefe, mit deren Inhalt man nicht einverstanden sein könne.
Niemand wolle, wie immer wieder behauptet, das Wild ausrotten. Der im Januar in
Ruhpolding gesichtete Wolf, der später auch mit einer Wildkamera in Berchtesgaden erfasst
wurde, sei ein Durchzügler. Der Rotwildabschuss im Landkreis sei bei einem Soll von 367
Tieren zu über 85 Prozent erfüllt worden, beim Staatsforst sogar zu 91 Prozent. Nach wie vor
keine Probleme stelle das Schwarzwild im Landkreis dar. Neun Wildschweine wurden letztes
Jahr erlegt; in den beiden Jahren davor seien es jeweils 13 gewesen.
Abschuss beim Rehwild wurde zu 99 Prozent erfüllt
Martin Obermeier aus Tettenhausen ist der neue Jagdberater für Niederwild. Er informierte,
das der Rehwildabschuss im Landkreis in den letzten Jahren (Soll 27547 Tiere) zu 99 Prozent
erfüllt worden sei. In den nächsten Tagen werde bei der Unteren Naturschutzbehörde im
Landratsamt der Abschussplan für die nächsten drei Jahre festgelegt. Letztes Jahr seien
weniger Hasen geschossen worden. Dagegen gebe es Hoffnung, dass es beim Fasan besser
werde. Rekordstrecken habe es bei Fuchs, Marder und Dachs gegeben. Obermeier führt das
unter anderem darauf zurück, dass die Fallenjagd zunehme. Er verband das mit der Hoffnung,
dass es beim Niederwild wieder aufwärts gehen möge.

Musikalisch umrahmt wurde die Hegeschau und die Jahresversammlung der Jäger von den
Rupertiwinkler Jagdhornbläsern unter der Leitung von Günther Schroth.

Klaus Oberkandler